erschienen Maerz 1996
in: Augsburg
Verlag: Selbstverlag
ISSN 1435-1684
Neue multimedia-basierte Anwendungen, die Zunahme der 2Mb/s-Anschlüsse an
das WiN und ein exponentiell wachsendes Transfervolumen machen den Ausbau
zu einem Breitband-Netz notwendig. Nach jahrelangen Bemühungen des DFN-Vereins
konnte im Herbst mit dem Aufbau eines Breitband-Wissenschaftsnetz (B-WiN) auf
ATM-Basis begonnen werden. Spätestens am 6. April 1996 wird es in Betrieb gehen.
Konzeption und Vorbereitung
In verschiedenen Projekten des DFN-Vereins wurden unterschiedliche
Netztechnologien und Geräte getestet. Schließlich fiel die Entscheidung für
die ATM-Technologie.
Der Inhalt des Dienstleistungsvertrages zum "Errichten und Betreiben eines
Breitband-Wissenschaftsnetzes - B-WiN" durch die DeTeSystem/Deutsche Telekom
AG mit dem DFN-Verein wird im folgenden in wesentlichen Punkten kurz
charakterisiert:
- Das B-WiN wird als Virtuelles Privates Netz (VPN) bereitgestellt.
- Basistechnik ist ATM.
- Anschlußleitungen mit Übertragungsraten von 34 Mbit/s und ab Juli 1996
von 155 Mbit/s (später ggf. 622 Mbit/s) sind schaltbar.
- Die Bereitstellung von Diensten am Nutzerinterface erfolgt stufenweise
(entsprechend verfügbarer ATM-Funktionalität).
- Die Gewährleistung von Dienstgüteparametern ist festgelegt.
- Die Netzleistung ist durch eine Durchsatzgarantie des Kernnetzes und
durch (virtuelle) Trunkkapazitäten definiert.
- Aufgrund des VPN ist eine gute Skalierbarkeit des Kernnetzes in
Schritten von 2 Mbit/s gegeben.
- Das B-WiN wird spätestens ab Ende des 1. Quartals 1996 verfügbar sein
(Betriebsbereitschaft).
- Die Integration des Schmalband-WiN (X.25-WiN) in das B-WiN ist bis Ende
1996 vereinbart. Das bedeutet, daß die X.25-Netzknoten über das B-WiN
vernetzt werden, und die entsprechenden Trunkleitungen des Schmalband-Netzes
wegfallen.
- Für Durchleitungsverkehr für Dritte muß Einvernehmen mit der
DeTeSystem erzielt werden.
- Im Falle der Verleihung an den DFN-Verein ist die DeTeSystem
verpflichtet, verfügbare private Leitungen (soweit technisch möglich) in das
B-WiN einzubeziehen und Kostenvorteile durchzureichen.
- Die Integration der Regionalen Testbed-Infrastrukturen wird mit
Betriebsbeginn vorgenommen.
- Eine Kündigungsmöglichkeit besteht nach drei Jahren.
Realisierung des B-WiN
Das Kernnetz des B-WiN wird auf Basis des ATM- Cross-Connect - Netzes der
Deutschen Telekom AG aufgebaut. Die Zentralen-Service-Switches (ZSS)
realisieren über die Cross Connect das Kernnetz und bedienen die breitbandigen
WiN-Anschlüsse. Wegen noch in den Normungsgremien befindlichen Teilen des ATM
Standards erfolgt die Bereitstellung der Dienste des B-WiN stufenweise (siehe
Grafik).
1. Stufe: Nur IP-Verkehr ist zugelassen, der Rest wird über
das "Schmalband-WiN" abgefertigt.
2. Stufe: Es werden ATM und X.25 im B-WiN zur Verfügung
gestellt. Damit kann
der alte WiN-Anschluß abgemietet werden. Voraussichtlich ab 1997.
3. Stufe: Zusätzlich zu den Datenkanälen werden auch
Sprachkanäle zugelassen.
Dann werden auch die Nebenstellenanlagen der deutschen
Wissenschaftseinrichtungen direkt miteinander verbunden sein. Davon erhofft
man sich eine starke Reduzierung der Telefongebühren.
Was nützt es aber, wenn man innerhalb Deutschlands breitbandige Verbindungen
hat und ins Ausland nur T1-Verbindungen bestehen?
Hier wurde in der Zwischenzeit auch viel getan! So wurden Anfang Januar zwei
neue 2Mb/s-Leitungen in die USA geschaltet, die ihren Aufpunkt im MCI-Netz
haben. Es stehen also jetzt 2 x T1 und 2 x 2Mb/s in die USA zur Verfügung. Eine
Erhöhung auf 34Mb/s ist geplant. Die europäischen Verbindungen laufen über das
EuropaNet mit 6Mb/s. Auch hier ist eine Erhöhung im Rahmen von TEN-34 auf 34Mb/s geplant.
Hier ein Beispiel um Ihnen eine Vorstellung zu geben, was diese Erhöhung der
Leitungsgeschwindigkeit kostet:
1996 647.400.- DM
1997 690.000.- DM
1998 977.500.- DM
sofern keine Mehrwertsteuererhöhung hinzu kommt.
Aus diesem Grunde erhält die FH Augsburg keinen gesonderten B-WiN-Anschluß,
sondern 2Mb/s-Bandbreite "unseres" B-WiN-Anschlußes exklusiv zur Verfügung
gestellt. Dies kostet dann zwar etwas mehr, ist aber immer noch billiger als
ein eigener 2 MB/s-Anschluß.
Erreichbarkeitsprobleme
Durch die neue Struktur im WiN wird es spätestens bei der Umschaltung auf das neue Breitband WiN
Probleme für Rechner geben, bei denen man den maximalen Hop-Count nicht
verändern kann. Zur Zeit äußert sich das Problem bei der Erreichbarkeit einiger Sites in den USA
dadurch, daß man z.B. zwar hinkommt an den Rechner aber leider nicht mehr zurück. Hier wird für
den Hinweg eine andere Route als für den Weg zurück genommen. Durch eine Änderung
des maximalen Hop-Count (Anzahl der Rechner, die durchlaufen wurden, bis das Paket weggeworfen
wird) kann dieses Problem gelöst werden. Leider ist dies nicht bei allen Rechnern möglich! So
haben HP und Windows NT (max=30) feste Größen, die nicht geändert werden können. Bei
Einführung des B-WiNs wird die Anzahl der durchlaufenen Rechner nochmals kräftig
ansteigen. Dies hat dann zur Folge, daß z.B. von einem Windows-NT-Server die Firma
Microsoft nicht mehr erreichbar sein wird.