Noch kurz vor Weihnachten wurden drei Server des Typs IBM Risc/6000 Modell 3CT geliefert, deren Beschaffung auf einen HBFG-Antrag aus den Jahren 1992/93 zurückgeht. Sie werden die beiden vorhandenen zentralen Server rzibm01 und rzibm02 ersetzen, die im Jahr ihrer Beschaffung (1991) noch zu den schnellsten Einprozessorsystemen am Markt zählten. Heute sind sie in puncto Rechengeschwindigkeit nur noch Durchschnitt und werden von mehreren Maschinen, die bei den Wissenschaftlern am Schreibtisch stehen, an Leistung und Schnelligkeit übertroffen.
Die drei neuen Maschinen sind beinahe gleich ausgestattet: jeweils mit 256 MB Hauptspeicher, 2 GB interner Platte, einem CD-ROM Laufwerk und einem 17 Zoll Farbmonitor. Eine der Maschinen verfügt zusätzlich über ein 4 mm DAT-Laufwerk mit einer Speicherkapazität von bis zu 8 GB pro Band und bietet außerdem eine externe Festplattenkapazität von 12 GB. Dieser Rechner wird zukünftig die Aufgaben des Fileservers übernehmen, die beiden anderen Maschinen werden als Computeserver und als Anwendungsserver genutzt. Auf dem Anwendungsserver werden - wie schon bei der rzibm01 - die Produkte IDL (interaktives Grafikpaket), Maple und Axiom (beides Mathematikpakete), NAG und ESSL (numerische Fortran-Bibliotheken) und Compiler für C, C++ und Fortran (auch Standard 90) angeboten. Weitere Programme aus dem "IBM-Basiskorb" können bei Bedarf installiert werden.
Ziel der Beschaffung war es, eine deutlich höhere Rechenleistung anzubieten, als es bisher möglich war. Jede der drei Maschinen bringt mit je 133,6 MFLOPS, 109,7 SPECint92 und 202,1 SPECfp92 eine etwa fünffache Rechenleistung gegenüber den bisher als Compute- und Anwendungsserver benutzten Maschinen rzibm01 und rzibm02 des Typs IBM Risc/6000 Modell 550. Da der Anwendungsserver wohl hauptsächlich tagsüber von interaktiven Nutzern belastet werden wird und der Fileserver mehr Rechenleistung anbietet, als mit dem puren Fileservice verbraucht wird, werden alle drei Maschinen zusätzlich in einem Batchverbund betrieben. Ein Lastverteilungsmechanismus (IBM Load Leveler) wird für eine optimale Ausnutzung der gemeinsamen Rechenleistung sorgen, ohne den interaktiven Nutzern die benötigte Prozessorzeit zu verweigern. Darüberhinaus ist geplant, die drei neuen Maschinen im Laufe des Jahres zusammen mit den Fileservern der Mathematik und der Physik in einem Hochgeschwindigkeitsnetz zu koppeln, und in einem DCE-Cluster zu betreiben. Damit wird auch die Entwicklung und der Einsatz paralleler Programme ermöglicht, wenn auch in einem bei weitem nicht ausreichendem Maße.
Insgesamt muß man feststellen, daß trotz der nun deutlich erhöhten zentralen Rechenkapazität das neu geschaffene Angebot den wirklichen Bedürfnissen vor allem aus dem Bereich der Physik nicht gerecht werden kann. Denn den jetzt theoretisch zur Verfügung stehenden 2000 Prozessorstunden im Monat steht ein tatsächlicher Verbrauch von rund 16.000 Stunden auf den Rechnern des Leibniz Rechenzentrums in München gegenüber. Immerhin wird sich aber die Ausführungszeit für die vielen Langläufer mit bisher weit mehr als einer Woche Verweilzeit im Rechner reduzieren lassen.
Die beiden vier Jahre alten Maschinen rzibm01 und rzibm02 werden für andere Dienste weiterbenutzt. Einer der beiden Rechner wird zum zukünftigen News-Server der Universität umfunktioniert, der andere wird ab Sommersemester als Internetserver für die Studenten fungieren. Damit sind größere Umstellungsarbeiten notwendig. Betroffen davon sind