Aufbau einer neuen Serverumgebung mit dem "Distributed File System" (DFS) am Institut für Physik
erschienen Juli 1999 in: Augsburg
In einer verteilten DV-Landschaft ist ein gemeinsames Dateisystem aller beteiligten Systeme eine der Hauptkomponenten. Mit DFS ist jetzt in der Physik ein System im Einsatz, das eine Menge Schwachstellen anderer Netzwerk-Dateisysteme wie "Network File System" (NFS) oder "Shared Message Block" (Windows/SMB) vermeidet. DFS setzt als "Netzwerkbetriebssystem" das "Distributed Computing Environment" (DCE) voraus, das Dienste wie Benutzerverwaltung, Authentifizierung, global einheitliche Zeit u.a. redundant implementiert. Die Grundlagen von DCE/DFS wurden in der connect 1/1999 von Markus Zahn erläutert; mit diesem Artikel stelle ich Ihnen die konkrete Umsetzung am Institut für Physik vor.
| ACLs unter DFS |
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Im DFS besitzt jedes Objekt (Verzeichnis oder Datei) eine Liste von
Zugriffsrechten (Access Control List, ACL). Folgende Rechte können dabei
verwendet werden: read, write, execute, control, insert und delete.
Um z.B. ein Verzeichnis umzubenennen, braucht man ein w, x, d, i für das übergeordnete Verzeichnis, ein w für das Verzeichnis und ein x für alle übergeordneten Verzeichnisse. Diese Rechte können an verschiedene Personen und Gruppen vergeben werden: Zum einen an den Eigentümer, seine primäre Gruppe und den Rest der Welt. Desweiteren kann man beliebigen Benutzern oder Gruppen Rechte zuweisen und kann so sehr differenziert steuern, wer in einem Verzeichnis welche Rechte hat. Zu jedem Verzeichnis gehört auch noch die Information, welche Rechte (als Voreinstellung) neu im Verzeichnis erstellte Dateien und Verzeichnisse bekommen. Diese Information wird nach unten weitervererbt. |
Auch Plattformen, die selbst nicht DFS-fähig sind, sollen möglichst gut integriert werden. N Plattformen sollen eben nicht N Benutzerverwaltungen, N Dateisysteme usw. mit dem entsprechenden Betreuungsaufwand nach sich ziehen. Am Institut für Physik kann man mit Blick auf die Skizze sicher von einer sehr heterogenen Umgebung sprechen (oft zum Leidwesen des EDV-Betreuers). Mittlerweile haben wir aber eine Reihe von Diensten und Werkzeugen im Einsatz, die gerade diese Plattformen ins DFS integrieren, selbst wenn sie das von sich aus nicht beherrschen.
| Fileserver Hardware |
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Die aktuell eingesetzten Server
(Fileserver und Gateway) sind SMP-Maschinen der Serie IBM RS/6000-F50. Der
Haupt-Fileserver in der Physik verfügt aktuell über etwa 60GB
SSA-RAID5- Kapazität in hot-swap Laufwerken. SSA ist wie FibreChannel eine
Technologie mit Performance oberhalb von UltraSCSI; der verwendete Adapter
kann bis zu 96 Platten ansteuern, die man übrigens in keiner Weise mit
irgendwelchen Ids konfigurieren muß, das passiert alles automatisch und
freut daher den Administrator. Bei einem RAID5 konfiguriert man mehrere
Festplatten in ein "RAID-Array" (bei uns aktuell 7+1 x 9.1GB). Die Daten
werden parallel auf alle Platten geschrieben ("striping") und
zusätzlichen wird eine Paritätsinformation abgespeichert, die den
Weiterbetrieb ohne Datenverlust bei Ausfall einer Platte gewährleistet.
Am Netz (siehe letzte Ausgabe connect) hängen beide Server mit einer 155-MBit ATM Anbindung; da die Clients bei uns derzeit in aller Regel mit 10MBit/s zugreifen, kann das Netz im Moment nie zum Flaschenhals werden. Der Gateway-Server, auf dem sehr viele Prozesse aktiv sind, ist dafür mit 4 Prozessoren und 1.3GB RAM ausgestattet. Ähnliche Server sind im Rechenzentrum an verschiedenen zentralen Bereichen im Einsatz. |
Ein schöne Eigenschaft, die durch dieses Design möglich wird, ist das Verschieben von Benutzerdaten im laufenden Betrieb. Wenn man auf dem DFS Server A noch genug Plattenplatz übrig hat und der Server B aus irgendwelchen Gründen heruntergefahren werden muß, kann man die Daten im Betrieb von B nach A verlegen. Dabei stört es überhaupt nicht, wenn gerade Benutzer daran arbeiten oder im Hintergrund auf einer Maschine ein Rechenauftrag läuft. Wir haben das beim Neuaufbau der Server in der Physik verschiedentlich und ohne Probleme durchgeführt, sei es wegen Betriebssystem-Upgrades auf einem der Server oder wegen angekündigter Stromabschaltungen. Weder mit NFS noch SMB ist so etwas auch nur annähernd möglich.
Die wichtigsten Kommandos für den Benutzer sind auf diesen Plattformen sind dcecp und fts. Mit dcecp kann man alles setzen was mit der Information über den eigenen account (z.B. Telefonnummer) zu tun hat und auch die genaueren Zugriffsrechte im DFS kontrollieren.Mit 'fts lsquota' erhält man Auskunft über seine disk quota. Mehr Information dazu bekommt man in den DCE/DFS-Hilfesystemen von AIX und NT.
Bisherige Erfahrungen: Bis auf ein paar kleinere Haken, deren Lösung bei IBM in Arbeit ist, läuft diese Methode problemlos im täglichen Betrieb. Um Zugriffsrechte zu ändern kann man (wie auch in AIX) die Unix-Kommandos und -Rechtestruktur nutzen, aber natürlich kann man damit nicht die detaillierteren ACLs setzen. Dazu muß man sich entweder auf einem echten DFS-Client (AIX, NT) einloggen und die Kommandos dcecp oder acl_edit benutzen oder die unten beschriebene Web-Schnittstelle nutzen. Ein echter DFS-Client für Linux wäre sicher viel schöner - vielleicht ist Big Blue's Linux-Kampagne ja nicht nur Marketing, da hoffen wir einfach mal.
| WindowsNT + DCE/DFS |
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Für Windows NT gibt es einen vollwertigen DCE/DFS Client, der im
Rechenzentrum über Herrn Zahn erhältlich ist (Preis ca. 200,- DM).
Praktisch finde ich daran, daß man in einer Arbeitsgruppe ohne großen Aufwand eine NT- Maschine installieren und betreiben kann, vor allem ohne eine aufwendige eigene Benutzerverwaltung aufzubauen. Mit DCE kennt der Rechner sofort alle Benutzer aus der Gruppe, denn die haben sowieso im Institut eine DCE-Kennung und wenn's vielleicht bisher auch nur für E-Mail war. |
Zur Nutzung: Per (SSL-abgesicherter) Web-Schnittstelle kann der Benutzer sich für dieses DFS/SMB Gateway registrieren. Unter Windows95/98 muß man sich dann mit genau dieser DCE-Kennung auch beim Windows anmelden (das Paßwort kann und sollte verschieden sein!). Der Benutzer findet dann (in den Subnetzen der Physik) in der Netzwerkumgebung auf dem PC einen Fileserver, der das DFS-Verzeichnis der Gruppe oder das Home-Verzeichnis zur Verfügung stellt. Oder man richtet eine Zuordnung zu einem definierten Laufwerksbuchstaben über "Netzlaufwerk verbinden" ein. (Kleine Nebenbemerkung: Wir bieten diesen Service nur unter Netbios über TCP/IP an; wer immer noch meint, die lokalen Netze mit NetBEUI belasten zu müssen, wird diesen Service vergeblich suchen.)
Um DFS-spezifische Aktionen auszuführen, muß man sich in eine AIX Maschine einloggen (am besten per Secure Shell: ssh). Um dies zu erleichtern steht unter www.physik.uni-augsburg.de/ci/ dce/dfssmb.html eine Web-Schnittstelle zur Verfügung, über die einige wichtige Dinge erledigt werden können (Quota abfragen, Paßwort ändern, Rechte setzen). Bitte beachten Sie die Sicherheitshinweise.
Zum Thema Sicherheit: Die Verbindung kann natürlich nicht sicherer sein, als Windows und SMB eben sind, und das ist eine eher traurige Angelegenheit. Innerhalb der Uni (insbesondere in Neubauten mit geswitchten Netzen) kann man die Gefahr aber doch minimieren, beispielsweise niemals bei der Windows-Anmeldung das DCE-Paßwort verwenden. Auch surfen im externen Internet mit aktiviertem JavaSkript, oder aktiviertem Windows98 WSH, kann schnell zur Falle werden. Weiter gilt die Grundregel: gib keinem Programm irgendein Paßwort um automatisch irgendwas zu machen. (Siehe auch Artikel von M. Zahn "Auf Nummer sicher" in dieser Ausgabe).
Apple: TAS kann AppleShare über AppleTalk oder TCP/IP (schneller) anbieten, und der Beutzer hat wie unter Windows Zugriff auf sein Home-Verzeichniss. Hier gibt es bislang keine automatische Registrierung, weil der Benutzerkreis recht eng ist, die oben genannte Web- Schnittstelle kann aber in den meisten Teilen genauso verwendet werden.