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Das Jahr-2000-Problem

Matthias Huber, Rechenzentrum

Was Sie für Ihre Sicherheit tun können

erschienen Juli 1999 in: Augsburg
Verlag: Selbstverlag
ISSN 1435-1684


Das Y2K-Problem (Y steht für year, 2K für 2 "kilo", also 2000) beruht, neben einem Problem mit der Schaltjahrberechnung, auf der Darstellung von Datumsangaben in Computern: Wird die Jahreszahl nur zweistellig angegeben, so läßt sich nicht eindeutig entscheiden, welchem Jahrhundert das Datum zuzurechnen ist. Probleme dieser Art hat es auch bisher schon gegeben, etwa mit Personen, die noch vor 1900 geboren wurden. So soll eine ältere Dame von einer Versicherung zu ihrem 105. Geburtstag folgenden Brief bekommen haben: "Liebe...! Wir wünschen Dir alles Gute zu Deinem 5. Geburtstag..."

Mit dem Jahreswechsel 1999 auf 2000 besteht jedoch die Gefahr, daß sich solche und andere Probleme häufen und auch in wichtigeren Computersystemen auftreten. Es können nämlich nicht nur PCs, sondern auch sogenannte "embedded systems" betroffen sein, also Mikrocomputer die fest in ein Gerät, z.B. einen Videorecorder oder ein Faxgerät, eingebaut sind.

Übersicht

Jedoch ist die Hysterie, die unter anderem von einigen Boulevardzeitungen verbreitet wird, übertrieben. Denn sollte sich herausstellen, daß ein PC nicht y2k-kompatibel ist, so braucht das nicht weiter beunruhigend sein: Die meisten Probleme lassen sich beheben, und sollte das nicht der Fall sein, so wird der PC dennoch nicht den Dienst verweigern. Er wird lediglich nicht das richtige Datum anzeigen und einige Anwendungen können Funktionsstörungen zeigen.

Und auch bei den "embedded systems" ist kaum ein Totalausfall zu befürchten, sondern wenn überhaupt, nur eine Funktionseinschränkung. Und solange solche Systeme nicht an kritischen Stellen eingesetzt werden, stellt sich die Frage, wie groß die Konsequenzen einer Störung sind: Wenn etwa ein Videorecorder eine Fernsehsendung nicht aufgenommen hat oder ein Fax mit einem falschen Datum versehen wurde, ist das allenfalls ärgerlich, aber sicher nicht gefährlich.

Um nun aber zu verstehen, wodurch genau die Probleme verursacht werden und wie sich PCs auf y2k-Kompatibilität überprüfen lassen, muß man sich etwas mit dem Innenleben von Computern beschäftigen.

Computer verwenden Zeit- und Datumsangaben auf verschiedenen Ebenen

Zunächst besitzen alle Computer eine eingebaute, batteriebetriebene Uhr, die sogenannte Echtzeituhr (normalerweise als Real Time Clock oder RTC bezeichnet), da andernfalls bei jedem Start des Computers das Datum und die Uhrzeit neu eingegeben werden müßten. Die meisten dieser RTCs können zwar das Jahrhundert speichern, aktualisieren es aber nicht automatisch, so daß auf den 31.12.1999 der 01.01.1900 folgt. Teilweise werden auch Schaltjahre nicht richtig erkannt.

Beim Starten des Computers übernimmt das BIOS (Basic Input/Output System), ein fest in den Computer eingebautes "Minimalprogramm", von der RTC Datum und Uhrzeit und stellt sie seinerseits dem Betriebssystem zur Verfügung. Das Betriebsystem schreibt Datum und Uhrzeit dann ebenfalls selbständig fort. Die einzelnen Anwendungen "informieren" sich in der Regel beim Betriebssystem über das Datum bzw. die Uhrzeit. Ferner kommen Datumsangaben natürlich in den verschiedensten Dateien vor (etwa Word-Dokumente, Datenbanken etc.). Dabei ist zu beachten, daß es durch Datenaustausch selbst dann zu Fehlern kommen kann, wenn alle eigenen Anwendungen und Daten y2k-kompatibel sind.

Das Überprüfen von Computern

Die Überprüfung der Hardwareebene eines Computers auf y2k-Kompatibilität ist nicht schwer: Sie kann von jedermann ohne irgendwelche Software durchgeführt werden. Wie, das erklärt das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik; http://www.bsi.bund.de) unter http://www.bsi.bund.de/aufgaben/projekte/2000/6.htm#6112.

Natürlich stehen für die Überprüfung auch verschiedene Testprogramme zur Verfügung; die einfacheren werden meist als Freeware angeboten, umfangreichere Programme, die auch Anwendungen und Datenbestände überprüfen, sind kostenpflichtig.

Das BSI stellt unter http://www.bsi.bund.de/aufgaben/projekte/2000/84bioto.htm#prue eine Liste mit Links zu verschiedenen Herstellern zur Verfügung. Die kostenlosen Programme und die meisten anderen Links sind auf dem Server des Rechenzentrums gespiegelt, siehe unter http://www.rz.uni-augsburg.de/dvb. Eine umfangreiche Spiegelseite unterhält auch das Rechenzentrum der Universität Bayreuth unter http://www.uni-bayreuth.de/rz/y2k/.

Zu empfehlen ist der Ontrack-Advisor (http://www.ontrack.de), der für die Benutzung durch Privatpersonen und an Hochschulen kostenlos ist. Das Programm kann unabhängig vom Betriebssystem eingesetzt werden und überprüft RTC und BIOS. Es überzeugt durch die übersichtliche Gestaltung der Benutzeroberfläche und durch die Transparenz der durchgeführten Tests, verfügt allerdings nur über eine englische Benutzerführung.

Eine deutsche Kurzbedienungsanleitung ist jedoch bei den DV-Betreuern der Universität erhältlich.

Der Crouch-Echlin-Effekt

Neben den "traditionellen" Problemen bei der Jahr-2000-Umstellung gibt es noch einen weiteren Effekt, der allerdings von Firmen wie Intel nicht bestätigt werden konnte. Die Erscheinung, die unter dem Namen "Crouch-Echlin-Effekt" bekannt ist, beruht auf folgendem Sachverhalt:

Bei älteren Computern kann die RTC nicht ausgelesen werden, während sie sich selbst aktualisiert. Da das BIOS bei Starten des Computers ab dem 1.1.2000 länger zu Auslesen braucht, kann sporadisch ein Ausleseversuch während der Aktualisierung auftreten, was zu unvorhersehbaren Sprüngen im Datum führen soll.

Der Crouch-Echlin-Effekt soll nur bei PCs auftreten, deren RTC nicht doppelt gepuffert ist. Daher überprüft das Programm tdtl.exe Ihren PC auf doppelte Pufferung.

Starten Sie das Programm tdtl.exe (erhältlich unter http://www.intranet.ca/~mike.echlin/bestif/download.htm). Nach durchgeführter Prüfung meldet das Programm: "Your PC has passed this test." In diesem Fall besteht keine Gefahr (nach Angaben der Entdecker des Effekts). Andernfalls sollten Sie bei jedem Start zur Vorsicht das Datum überprüfen. Alternativ besteht die Möglichkeit NetTime zu verwenden.

NetTime

Das Programm NetTime ermöglicht es, die Systemuhr eines Computers mittels des Network Time Protocols (ntp) mit der Zeit eines Ntp-Serves zu synchronisieren. Geben Sie dazu in NetTime als Time Server ntp.uni-augsburg.de an. NetTime ist unter http://www.mhn.org/~graham/nettime.html erhältlich.

Die Probleme mit Systemuhren treten auch unabhängig vom Jahr-2000-Problem auf; teilweise laufen die RTCs ungenau, so daß nach einiger Zeit die Uhrzeit nicht mehr korrekt ist. Die Verwendung von NetTime ist also auf jeden Fall sinnvoll.

Y2K-Fähigkeit von verschiedenen Microsoft-Produkten

(alle Angaben für die deutschen Versionen und laut Microsoft)
Da auf vielen Computern Betriebssysteme und Anwendungen von Microsoft installiert sind, finden Sie im folgenden einen kurzen Überblick über die verschiedenen Produkte. Detaillierte Angaben sind direkt bei Microsoft zu erhalten http://www.eu.microsoft.com/germany/jahr2000/ProdGuide/product.htm (deutsch) oder http://www.microsoft.com/technet/year2k/product/product.asp (englisch).

Außerdem bietet das Rechenzentrum der Universität Bayreuth (http://www.uni-bayreuth.de/rz) auf seinen Internetseiten umfassende Informationen zu Produkten verschiedenster Hersteller an, darunter auch Microsoft.

Microsoft hat die meisten seiner Produkte getestet und die Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Bei seinen Tests hat Microsoft folgende Kriterien zu Grunde gelegt:

  • Das Produkt speichert und berechnet Datumsangaben im gesamten Funktionsbereich in Übereinstimmung mit dem 4-Ziffern-Format.
  • Wenn der Benutzer bei einem Produkt die Möglichkeit hat, für die Jahresangabe eine Abkürzung aus 2 Ziffern einzugeben, erkennt das Produkt das Jahr entsprechend dem 4-Ziffern-Format.
  • Das Produkt ist in der Lage, Schaltjahrberechnungen korrekt auszuführen.
  • Das Produkt verwendet innerhalb des Datums-Funktionsbereichs keine speziellen Werte für Datumsangaben.
  • Das Produkt funktioniert in das 21. Jahrhundert hinein bis zum Ende des Jahres 2035.
Ausgehend von diesen Kriterien werden die Produkte in drei Kategorien eingeordnet (einige ältere Produkte werden von Microsoft nicht getestet):
  • Kompatibel: Das Produkt entspricht dem Microsoft Kompatibilitätsstandard in jeder Hinsicht
  • Kompatibel mit geringen Abweichungen: Das Produkt entspricht im Wesentlichen den Microsoft-Kompatibilitätsstandard, enthält jedoch einige Abweichungen, bei denen geringfügige Datenprobleme auftreten können.
  • Nicht kompatibel: Das Produkt erfüllt die Microsoft-Kompatibilitätsstandards nicht.

Betriebssysteme

Um die Version Ihres Betriebssystems zu erfahren, tippen Sie in DOS "ver" ein oder wählen Sie in Windows die Systeminformation (in der Systemsteuerung). Unter Windows-98 können Sie sich über "Windows-Update" bereits installierte Updates anzeigen lassen.
  • MS-DOS (ab 5.0), Windows 3.1, Windows 3.11: kompatibel mit geringen Abweichungen
  • Windows 95: kompatibel mit geringen Abweichungen
  • Windows 98: kompatibel mit geringen Abweichungen; es müssen zuvor jedoch das Windows 98-Jahr-2000-Update (http://windowsupdate.microsoft.com/default.htm?Page=productupdates) installiert und die MS Virtual Machine aktualisiert werden
  • Windows NT: Workstation und Server 3.51: kompatibel; Installation von Service Pack 5 und eines Software-Updates erforderlich; Server 4.0 SP 3, Workstation 4.0 SP 3: wird überprüft; Server 4.0 SP 4 und Workstation 4.0 SP 4: kompatibel; es müssen ggf. einige Features aktualisiert werden. Genaueres unter http://www.eu.microsoft.com/germany/jahr2000/ProdGuide/product.htm; Server-Terminal 4.0 SP 3: kompatibel mit geringen Abweichungen; Installation von Service Pack 4 erforderlich

Anwendungen

Die meisten Anwendungen werden als "kompatibel" oder als "kompatibel mit geringen Abweichungen" bezeichnet. Als Voraussetzung ist bei einigen Versionen jedoch ein Update zu installieren.

Folgende Produkte werden als "nicht kompatibel" eingestuft (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!):

  • Office Professional 4.xx
  • Internet Explorer 3.0x
  • Site Server 2.0, Site Server Enterprise 2.0, Site Server Express 2.0
  • Works 3.0
Von den aufgeführten Produkten sind jedoch neuere Versionen erhältlich. Außerdem werden einige Anwendungen noch überprüft.

Nähere Informationen sind bei Microsoft erhältlich; stellen Sie dazu zunächst die Version Ihres Programmes fest, indem Sie im Menü "Hilfe" bzw. "?" des betreffenden Programms auf "Info" klicken.

Im Internet erhalten Sie unter http://www.eu.microsoft.com/germany/jahr2000/ProdGuide/product.htm nähere Informationen zu Ihrem Produkt.

Überprüfung einzelner Anwendungen und ihrer Daten

Bei der Erfassung von Daten sollte man aus verschiedenen Gründen nur noch vierstellige Datumsangaben verwenden. Denn wenn die Programme die Eingabe als Datum erkennen, so werden sie je nach Anwendung unterschiedlich interpretiert, meist jedoch vierstellig gespeichert. Wenn ein Programm nicht die Möglichkeit hat, Datumseingaben zu erkennen, werden die Angaben so gespeichert wie sie eingegeben wurden, was bei der Weiterverarbeitung zu Problemen führen kann.

Für die Überprüfung von Datenbeständen und Anwendungen stehen eine Reihe kostenpflichtiger Programme zur Verfügung.

Die Programme Norton 2000 von Symantec oder Check 2000 PC Deluxe von GMT haben in Vergleichstests gut abgeschnitten; sie können bei http://www.symantec.de bzw. http://www.gmt-2000.com käuflich erworben werden.

Bevor man jedoch Beträge in Höhe von ca. 100,- DM oder mehr in ein Testprogramm investiert, sollte man sich darüber klar werden, ob eine solche Ausgabe durch den Schaden bei eventuellen Fehlern gerechtfertigt wird. Für Privatanwender etwa ist es in der Regel wohl sinnvoller, eventuell auftretende Probleme im Jahr 2000 zu beseitigen als größere Beträge in Testprogramme zu investieren.

Ausblick

In der Softwareindustrie kann man übrigens eine weitere Ursache für die Hochstilisierung des Y2K-Problems erblicken: Sicher sollte man das Problem nicht unterschätzen, kann doch der Ausfall oder die Fehlfunktion von Computern an kritischen Stellen schwerwiegende Folgen haben, denke man etwa an Krankenhäuser, den Tower eines Flughafens oder Computer, die automatisch Wertpapiere kaufen und verkaufen. Aber ungeachtet dessen muß das Y2K-Problem für die Softwarehersteller eine wahre Goldgrube sein.

Es sollte sich also durchaus jeder Benutzer von Computern oder Geräten mit eingebauten Mikrochips ernsthaft mit dem Problem auseinandersetzen, aber Angst vor größeren Problemen oder gar Weltuntergangsszenarien sind kaum angebracht, wie zum Beispiel die Überprüfung verschiedener elektronischer Zahlungssysteme durch die Bundesbank erst vor kurzem wieder gezeigt hat.


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