Was Sie für Ihre Sicherheit tun können
erschienen Juli 1999 in: Augsburg
Das Y2K-Problem (Y steht für year, 2K für 2 "kilo", also 2000) beruht, neben einem Problem mit der Schaltjahrberechnung, auf der Darstellung von Datumsangaben in Computern: Wird die Jahreszahl nur zweistellig angegeben, so läßt sich nicht eindeutig entscheiden, welchem Jahrhundert das Datum zuzurechnen ist. Probleme dieser Art hat es auch bisher schon gegeben, etwa mit Personen, die noch vor 1900 geboren wurden. So soll eine ältere Dame von einer Versicherung zu ihrem 105. Geburtstag folgenden Brief bekommen haben: "Liebe...! Wir wünschen Dir alles Gute zu Deinem 5. Geburtstag..."
Mit dem Jahreswechsel 1999 auf 2000 besteht jedoch die Gefahr, daß sich solche und andere Probleme häufen und auch in wichtigeren Computersystemen auftreten. Es können nämlich nicht nur PCs, sondern auch sogenannte "embedded systems" betroffen sein, also Mikrocomputer die fest in ein Gerät, z.B. einen Videorecorder oder ein Faxgerät, eingebaut sind.
Und auch bei den "embedded systems" ist kaum ein Totalausfall zu befürchten, sondern wenn überhaupt, nur eine Funktionseinschränkung. Und solange solche Systeme nicht an kritischen Stellen eingesetzt werden, stellt sich die Frage, wie groß die Konsequenzen einer Störung sind: Wenn etwa ein Videorecorder eine Fernsehsendung nicht aufgenommen hat oder ein Fax mit einem falschen Datum versehen wurde, ist das allenfalls ärgerlich, aber sicher nicht gefährlich.
Um nun aber zu verstehen, wodurch genau die Probleme verursacht werden und wie sich PCs auf y2k-Kompatibilität überprüfen lassen, muß man sich etwas mit dem Innenleben von Computern beschäftigen.
Beim Starten des Computers übernimmt das BIOS (Basic Input/Output System), ein fest in den Computer eingebautes "Minimalprogramm", von der RTC Datum und Uhrzeit und stellt sie seinerseits dem Betriebssystem zur Verfügung. Das Betriebsystem schreibt Datum und Uhrzeit dann ebenfalls selbständig fort. Die einzelnen Anwendungen "informieren" sich in der Regel beim Betriebssystem über das Datum bzw. die Uhrzeit. Ferner kommen Datumsangaben natürlich in den verschiedensten Dateien vor (etwa Word-Dokumente, Datenbanken etc.). Dabei ist zu beachten, daß es durch Datenaustausch selbst dann zu Fehlern kommen kann, wenn alle eigenen Anwendungen und Daten y2k-kompatibel sind.
Natürlich stehen für die Überprüfung auch verschiedene Testprogramme zur Verfügung; die einfacheren werden meist als Freeware angeboten, umfangreichere Programme, die auch Anwendungen und Datenbestände überprüfen, sind kostenpflichtig.
Das BSI stellt unter http://www.bsi.bund.de/aufgaben/projekte/2000/84bioto.htm#prue eine Liste mit Links zu verschiedenen Herstellern zur Verfügung. Die kostenlosen Programme und die meisten anderen Links sind auf dem Server des Rechenzentrums gespiegelt, siehe unter http://www.rz.uni-augsburg.de/dvb. Eine umfangreiche Spiegelseite unterhält auch das Rechenzentrum der Universität Bayreuth unter http://www.uni-bayreuth.de/rz/y2k/.
Zu empfehlen ist der Ontrack-Advisor (http://www.ontrack.de), der für die Benutzung durch Privatpersonen und an Hochschulen kostenlos ist. Das Programm kann unabhängig vom Betriebssystem eingesetzt werden und überprüft RTC und BIOS. Es überzeugt durch die übersichtliche Gestaltung der Benutzeroberfläche und durch die Transparenz der durchgeführten Tests, verfügt allerdings nur über eine englische Benutzerführung.
Eine deutsche Kurzbedienungsanleitung ist jedoch bei den DV-Betreuern der Universität erhältlich.
Bei älteren Computern kann die RTC nicht ausgelesen werden, während sie sich selbst aktualisiert. Da das BIOS bei Starten des Computers ab dem 1.1.2000 länger zu Auslesen braucht, kann sporadisch ein Ausleseversuch während der Aktualisierung auftreten, was zu unvorhersehbaren Sprüngen im Datum führen soll.
Der Crouch-Echlin-Effekt soll nur bei PCs auftreten, deren RTC nicht doppelt gepuffert ist. Daher überprüft das Programm tdtl.exe Ihren PC auf doppelte Pufferung.
Starten Sie das Programm tdtl.exe (erhältlich unter http://www.intranet.ca/~mike.echlin/bestif/download.htm). Nach durchgeführter Prüfung meldet das Programm: "Your PC has passed this test." In diesem Fall besteht keine Gefahr (nach Angaben der Entdecker des Effekts). Andernfalls sollten Sie bei jedem Start zur Vorsicht das Datum überprüfen. Alternativ besteht die Möglichkeit NetTime zu verwenden.
Die Probleme mit Systemuhren treten auch unabhängig vom Jahr-2000-Problem auf; teilweise laufen die RTCs ungenau, so daß nach einiger Zeit die Uhrzeit nicht mehr korrekt ist. Die Verwendung von NetTime ist also auf jeden Fall sinnvoll.
Außerdem bietet das Rechenzentrum der Universität Bayreuth (http://www.uni-bayreuth.de/rz) auf seinen Internetseiten umfassende Informationen zu Produkten verschiedenster Hersteller an, darunter auch Microsoft.
Microsoft hat die meisten seiner Produkte getestet und die Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Bei seinen Tests hat Microsoft folgende Kriterien zu Grunde gelegt:
Folgende Produkte werden als "nicht kompatibel" eingestuft (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!):
Nähere Informationen sind bei Microsoft erhältlich; stellen Sie dazu zunächst die Version Ihres Programmes fest, indem Sie im Menü "Hilfe" bzw. "?" des betreffenden Programms auf "Info" klicken.
Im Internet erhalten Sie unter http://www.eu.microsoft.com/germany/jahr2000/ProdGuide/product.htm nähere Informationen zu Ihrem Produkt.
Für die Überprüfung von Datenbeständen und Anwendungen stehen eine Reihe kostenpflichtiger Programme zur Verfügung.
Die Programme Norton 2000 von Symantec oder Check 2000 PC Deluxe von GMT haben in Vergleichstests gut abgeschnitten; sie können bei http://www.symantec.de bzw. http://www.gmt-2000.com käuflich erworben werden.
Bevor man jedoch Beträge in Höhe von ca. 100,- DM oder mehr in ein Testprogramm investiert, sollte man sich darüber klar werden, ob eine solche Ausgabe durch den Schaden bei eventuellen Fehlern gerechtfertigt wird. Für Privatanwender etwa ist es in der Regel wohl sinnvoller, eventuell auftretende Probleme im Jahr 2000 zu beseitigen als größere Beträge in Testprogramme zu investieren.
Es sollte sich also durchaus jeder Benutzer von Computern oder Geräten mit eingebauten Mikrochips ernsthaft mit dem Problem auseinandersetzen, aber Angst vor größeren Problemen oder gar Weltuntergangsszenarien sind kaum angebracht, wie zum Beispiel die Überprüfung verschiedener elektronischer Zahlungssysteme durch die Bundesbank erst vor kurzem wieder gezeigt hat.