Einige Hintergrundinformationen, Tips und Anregungen zum Thema "Sicherheit in Computernetzwerken
erschienen Juli 1999 in: Augsburg
Daß in vernetzten Computersystemen auf vielfache Art und Weise Unfug getrieben wird, kann fast täglich in Zeitungen und Zeitschriften nachgelesen werden. Dieser Beitrag arbeitet einige Hintergründe auf und gibt Tips für ein "sicheres Auftreten im Netz". Nicht nur Sicherheitsfanatiker (oder paranoide Anwender) sollten sich der Gefahren und der sich anbietenden Lösungen bewußt sein. Wer denkt "Ich habe keine schützenswerten Daten, das Thema Sicherheit kann mir also egal sein!", denkt verkehrt und macht es sich definitiv zu einfach. Lesen Sie also weiter ...
Ursprünglich hat sich das Internet als Medium zum friedfertigen Austausch von Informationen aller Art entwickelt. Gesicherten Kommunikationskanälen wurde demnach zuallererst keine oder nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Die Daten, darunter auch Login-Namen und Paßworte gingen (und gehen auch heute noch meist) unverschlüsselt über die Verbindungsnetzwerke.
In der Anfangszeit war dies kein größerer Beinbruch, ging man doch von einem kooperativen und konstruktiven Miteinander aus. Inzwischen haben sich, nicht zuletzt aufgrund der immensen Anzahl der Nutzer, die Vorzeichen geändert. In allen Bereichen, angefangen bei der elektronischen Post und dem Zugang zu entfernten Rechnersystemen über Online-Banking bis hin zu "Electronic Commerce", sollte man sich stets bewußt sein, auf welchem Sicherheitsniveau man sich aktuell bewegt bzw. man sich gerne bewegen würde. Kein normaler Mensch würde im täglichen Leben auf einer belebten Straße Blankounterschriften an alle interessierten Passanten verteilen und so sollte man analoge Dinge im Umgang mit Computern ebenfalls vermeiden.
In aller Regel werden Sie Ihre E-Mail mit Ihrem Mailprogramm per POP (Post Office Protocol) oder IMAP (Internet Mail Access Protocol) vom Mailserver beziehen. In diesem Fall schickt Ihr Mailprogramm als Nachweis Ihrer Berechtigung Ihren Benutzernamen und Ihr Paßwort im Klartext zum Mailserver. Haben Sie Ihr Programm entsprechend konfiguriert, so geschieht dies sogar regelmäßig im Ein-, Fünf-, Zehn- oder x-Minutentakt. Auch bei Telnet- oder FTP-Verbindungen erfolgt der Verbindungsaufbau und damit auch die Paßwortübergabe unverschlüsselt. Geradezu ideal für Angreifer.
Allerdings muß der Angreifer in den genannten Fällen (POP, IMAP, Telnet, FTP) in einem der Netzwerk(segmente) lauern, über die die beteiligten Computer kommunizieren. Ansonsten kommen die Datenpakete mit den unverschlüsselten Informationen nicht an seinen neugierigen Ohren vorbei. Genau das ist übrigens der Grund, warum Sie sich nicht auf den Standpunkt stellen dürfen, daß sie mangels wichtiger Daten und Dokumente auf "Sicherheit" keinen Wert zu legen hätten. Hat ein Angreifer ersteinmal Ihre Benutzerkennung "geknackt", so haben Sie ihm mindestenfalls den für weitere Aktivitäten unbedingt notwendigen Zugang zu Ihrem und anderer Leute Datennetz gewährt. Ihre Kollegen werden sich bei Ihnen herzlich für diesen Bärendienst bedanken.
Ein weiteres Beispiel: Der Netscape Communicator merkt sich, nachdem Sie zum ersten Mal Ihre Mail gelesen haben, Ihr Paßwort beim Mailserver. Der Vorteil: Sie müssen beim nächsten Abholen von Mails nicht erneut Ihr Kennwort angeben. Der Nachteil: Der Communicator ist etwas zu auskunftsfreudig gegenüber fremden Web-Servern. Auf freundliche Anfrage per JavaScript verrät er Fremden schonmal Ihr (nur leicht verschlüsseltes) Paßwort mitsamt Ihrem Benutzernamen.
Noch ein Beispiel: Ein von Microsoft gewolltes Feature (man sollte jedoch besser sagen eine Designschwäche) im "Client für Microsoft Netzwerke" ermöglicht mittels einer simplen WWW-Seite, daß der Windows-Rechner des Betrachters dieser Seite (natürlich ohne das Wissen seines Herrchens) dessen Benutzernamen und sein Paßwort zu einem entfernten Rechner schickt. Dies "funktioniert" mit allen Web-Browsern, ohne aktive Elemente in der WWW-Seite und klappt prinzipiell weltweit. Der "Client für Microsoft Netzwerke" ist auf vernetzten Windows-95/98/NT-Systemen übrigens standardmäßig installiert, schauen Sie doch mal nach ...
Die große Vielfalt der Angriffsflächen - die vorgestellten Szenarien waren nur eine kleine Auswahl - machen eine hundertprozentige Abschottung gegen potentielle Eindringlinge nahezu unmöglich. Allerdings lassen sich etliche Verhaltensregeln finden, mit denen man bereits relativ weit kommen sollte. Unterstützt wird man in diesem Unterfangen von einer kleinen aber feinen Auswahl von freien Softwarewerkzeugen.
| Absicherung von Servern mit SSL und SSLwrap |
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Um mit einem Server (beispielsweise einem WWW- oder Mail-Server) über einen
sicheren Kanal zu kommunizieren, hat sich das "Secure Socket Layer" etabliert.
Leider ist aber z.B. der weit verbreitete und sehr beliebte Apache Web-Server
in seiner Grundkonfiguration nicht in der Lage, sich via SSL mit ankommenden
Web-Browsern zu verständigen. Abhilfe schaffen in diesem Fall ein
entsprechender Patch sowie die frei verfügbaren SSL-Bibliotheken SSLeay und
OpenSSL, mit deren Hilfe ein "sicherer" Apache-Server erstellt werden kann.
Nicht jeder Server-Dienst kann allerdings so einfach erweitert werden. Oftmals werden für Mail-Zwecke die vom jeweiligen Betriebssystemhersteller ausgelieferten Produkte für POP oder IMAP verwendet. Mangels Quelltexten können diese jedoch nicht SSL-fähig gemacht werden. Hier bietet sich das Softwarepaket SSLwrap an, mit dessen Hilfe eine SSL-taugliche "Vorstufe" zum eigentlichen Dienst erstellt wird: Der Mail-Client kommuniziert über eine SSL-Verbindung mit SSLwrap, das dann seinerseits eine lokale - und daher nicht über das Netz abhörbare - Verbindung mit dem eigentlichen, nicht SSL-fähigen Softwareprodukt aufbaut und die Informationen in beide Richtungen vermittelt. |
Den Postkartencharakter von elektronischer Post habe ich bereits erwähnt. Sicher muß man deshalb nicht für jede E-Mail zur verschlüsselten Übertragung greifen. Es gilt schon abzuwägen um welche Inhalte es sich handelt und ob die Post "über das Internet", lediglich durch das "Intranet" unserer Universität oder gar nur durch die, durch einen "Firewall" abgeschirmten, Netzwerksegmente der Universitätsverwaltung flutscht. Soll eine Mail tatsächlich gesichert verschickt werden, kann man sich des Softwarepakets PGP (Pretty Good Privacy) bedienen. Mit dem auf einem "Public-Key-Verfahren" basierenden PGP können E-Mails sowohl signiert als auch verschlüsselt werden. Bei signierten Nachrichten kann die Authentizität des Senders und die Integrität, d.h. die Unverfälschtheit der Botschaft überprüft werden, allerdings wandert die Nachricht immer noch im Klartext über das Verbindungsnetz. Verschlüsselte Nachrichten können zusätzlich nur vom angegebenen Empfänger wieder entschlüsselt werden, da nur dieser im Besitz des notwendigen Schlüssels ist. PGP gibt es für nahezu alle Rechnersysteme und wurde von Thomas Konert bereits in connect 2/1997 ausführlich besprochen.
Für die Nutzer eines X-Windows-fähigen Clients bietet die Secure Shell noch ein besonderes "Zuckerl", denn das Display des entfernten Rechnersystems wird automatisch auf den eigenen Rechner umgeleitet und das sogar noch über den verschlüsselten Verbindungskanal. Auch andere Netzwerkverbindungen können - das entsprechende Know-How vorausgesetzt - zwischen den beiden verknüpften Rechnern "getunnelt" werden.
Auch für WWW-Server ist SSL eine interessante Überlegung, denn auch HTTP, das Kommunikationsprotokoll des World Wide Web läßt sich damit "einwickeln". Einen auf diese Art gesicherten Web-Server erkennt man an der im Web-Browser angezeigten URL: Anstatt http://www.sicher.de/ liest man dann https://www.sicher.de/, das kleine ´s´ macht also den Unterschied. Ferner zeigen die verschiedenen Web-Browser zur besseren Kontrolle meist noch ein kleines geschlossenes Vorhängeschloß oder ein ähnliches Symbol.
Egal ob Sie sich nun aber mit einem Mail- oder WWW-Server über SSL unterhalten: Beim ersten Kontakt mit dem betreffenden Rechner wird Ihr Mailprogramm oder Ihr Web-Browser aufschreien um Ihnen mitzuteilen, daß er ein unbekanntes Zertifikat erhalten hat und daß Sie doch bitte jetzt entscheiden sollen, ob Sie diesem Rechner vertrauen wollen, oder nicht.
Aber wie sieht jetzt ein geeignetes Paßwort aus? Fangen wir am besten an, wie es nicht aussehen sollte: Ein Paßwort sollte keinesfalls aus einer trivialen Buchstaben- oder Ziffernfolge bestehen (z.B. "12345", "0815", "abcd" oder "qwertz"), es sollte ebensowenig aus Namen und Daten aus dem privaten oder persönlichen Umfeld des Inhabers stammen (Name oder Geburtstag des Lebenspartners, Autonummer, Telefonnummer o.ä.) und es sollte wenn möglich in keinem Lexikon der Welt zu finden sein. Die ersten beiden Beispiele sind zu leicht zu erraten und gegen die dritte Variante sprechen die weit verbreiteten, vollautomatisierbaren "Wörterbuch-Attacken", bei denen systematisch alle Wörter eines Wörterbuchs als mögliche Kennworte ausprobiert werden. (Bei einigen Testreihen Bayerischer Rechenzentren soll sich "Bier" als äußerst beliebtes Kennwort in unserem Sprachraum herausgestellt haben.) Ein "gutes" Paßwort besteht dagegen aus mindestens 6-8 groß- und kleingeschriebene Zeichen (manche Systeme schneiden allerdings alles nach dem achten Zeichen ab), darunter zwei unterschiedliche Sonderzeichen. Eine gute Eselsbrücke - denn ein Kennwort sollte ja auch gut zu merken sein - ist es, die Anfangsbuchstaben eines längeren Satzes zu verwenden. Der Satz "Ich sollte längst ein gutes Paßwort haben!" könnte als Gedankenstütze für das Paßwort "Isl1gPh!" dienen. Schwer vorstellbar, daß dieses "Wort" in einem irdischen Wörterbuch zu entdecken ist.
Ich hoffe, daß ich Ihnen mit meinem Artikel auf der einen Seite vielleicht einen (heilsamen) Schreck einjagen, auf der anderen Seite aber auch Anregungen zur Vermeidung von GAUs geben konnte.
| Sicherer Zugriff auf WWW und Mail |
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Am Beispiel des Netscape Communicators kann man sich die Konfigurationsschritte
und den Ablauf für die gesicherte Kommunikation mittels SSL ansehen: Im
Fenster "Mail Server Properties" kreuzt man zunächst die Option "User
secure connection (SSL)" an. Beim ersten Kontakt zum konfigurierten Mail-Server
liefert dieser nun sein SSL-Zertifikat an den anfragenden Client, hier also den
Netscape Communicator aus. Ist das präsentierte Zertifikat noch nicht
bekannt, so meldet sich der Client mit der Bitte, das Zertifikat entweder zu
akzeptieren oder zurückzuweisen.
Der Benutzer muß sich nun entscheiden, Hilfestellung bekommt er dabei über den Auswahlknopf "More Info ...". Einmal gedrückt, liefert der Communicator Zusatzinformationen zum betreffenden Zertifikat. Neben dem Eigentümer, der ausstellenden Instanz und der Gültigkeitsdauer wird v.a. der sogenannte "Fingerprint", also ein Fingerabdruck des Zertifikats geliefert. Im Falle des Mail-Servers des Rechenzentrums wäre dies dann die (etwas unübersichtliche) Zahlenkolonne 18:26:5C:92:89:EC:2A:B8:59:73:B4:2E:50:8E:CC:13. Sie haben jetzt die Möglichkeit, den Fingerabdruck mit der "echten" Zahlenkombination Ihres Mail-Servers zu vergleichen. Diese sollten Sie zuvor auf nicht elektronischem Wege vom Betreuer des Mail-Servers erhalten (haben). Im Falle des RZ-Mail-Servers könnten sie den vom Mail-Server präsentierten Fingerabdruck mit dem in Ihrer connect vergleichen. Auf diese Weise können Sie sicher sein, daß Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Paßwort nur Ihrem "echten" Mailserver zukommen lassen. Fremde Rechner können sich nicht in dieser Art und Weise ausweisen. Damit man nun nicht ständig kryptische Zahlenkombinationen miteinander vergleichen muß, bietet der letzte Konfigurationsschritt die Möglichkeit, das vorliegende und hoffentlich sorgfältig geprüfte Zertifikat bis zu dessen Verfallsdatum zu akzeptieren. Natürlich können Sie das Zertifikat (und damit die Verbindung zu diesem Server) an dieser Stelle auch zurückweisen oder nur für dieses eine Mal annehmen. Das hängt ganz von Ihren weiteren Vorhaben ab. |