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Editorial

Dr. Markus Zahn, Rechenzentrum

erschienen Juni 2003 in: Augsburg
Verlag: Selbstverlag
ISSN 1435-1684


Liebe connect-Leserinnen, liebe connect-Leser,

Sie haben es sicher alle mitbekommen: Die Stadt München will als erste deutsche Großstadt alle städtischen Computer mit einem offenen Betriebssystem – und damit nicht mehr mit Microsoft Windows – ausstatten. Nach langem Abwägen hat sich der Münchener Stadtrat Ende Mai endgültig auf die durchgängige Einführung offener Software (Open Source Software) auf den rund 14.000 Arbeitsplätzen festgelegt. Neben dem Betriebssystem lag bei dieser Grundsatzentscheidung das Augenmerk auch auf geeigneten Produkten im Bereich der Office-Software.

Ein von der Stadt München im Vorfeld in Auftrag gegebenes Gutachten hatte die Vor- und Nachteile einer Umstellung von der derzeitigen Installation (Windows NT mit Microsoft Office) auf entweder „Windows XP mit Microsoft Office“ oder „Linux mit Open Office“ bewertet. Die mit der Untersuchung beauftragte Firma ermittelte dabei einen klaren „strategisch-qualitativen“ Vorsprung für die Open-Source-Lösung. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hob hervor, welche Bedeutung er der Entscheidung zuschreibt: „Mit diesem richtungsweisenden Grundsatzbeschluss sichert sich München nicht nur als erste deutsche Großstadt eine größere Herstellerunabhängigkeit ihrer IT-Infrastruktur, sondern setzt auch ein klares Zeichen für mehr Wettbewerb im Software- Markt. Die Vorgeschichte dieser Entscheidung hat ja bereits gezeigt, dass eine Konkurrenzsituation bei der Preisbildung offensichtlich gut tut.“

In der Tat war dieser Grundsatzentscheidung ein längeres Tauziehen zwischen Microsoft und seiner Konkurrenz aus SuSE Linux AG und IBM voraus gegangen. Beide Parteien hatten mehrfach ihr Angebot überarbeitet, Microsoft-Boss Steve Ballmer unterbrach im Frühjahr sogar eigens seinen Urlaub für einen Besuch beim Münchener OB und unmittelbar vor der Entscheidung drückte Microsoft sein Angebot nochmals deutlich im Preis. Letztendlich fiel die Entscheidung aufgrund der „strategisch-qualitativen“ Vorteile (u.a.: Sicherheit des Systems und der Daten, Unterstützung offener Standards, Unabhängigkeit vom Hersteller, Beschaffungsflexibiltät und Investitionsschutz) für die Kombination aus Linux und Open Office.

Wie sieht es im Vergleich dazu mit der IT-Infrastruktur an der Universität Augsburg aus? Im Kernbereich wird seit eh und jeh mit offener Software gearbeitet. Mailverkehr, Webdienste, der Remote-Zugang zum Datennetz der Universität (Uni@Home, DFN@Home) und vieles mehr basieren von Beginn an auf qualitativ hochwertiger Open Source Software. Andere Bereiche wie Datei- und Backupdienste verwenden eine geschickte Kombination proprietärer und offener Produkte. Zwar hat Linux als Server-Betriebssystem bislang noch nicht Einzug ins Rechenzentrum gehalten, erste konkrete Projekte stehen aber vor der Tür.

Betrachten wir die Situation bei den Arbeitsplätzen: Hier hat sich Linux bislang (bis auf wenige Ausnahmen) nur in den Naturwissenschaften durchsetzen können. Dies allerdings ohne großes Getöse, sondern still, heimlich und erfolgreich. Ohne Linux wäre in diesen traditionell Unix-lastigen Bereichen in den letzten Jahren wohl ohnehin keine sinnvolle Versorgung der Wissenschaftler mit Rechner-Arbeitsplätzen mehr möglich gewesen. Aber auch in den Windows-lastigen Bereichen der Universität wäre – in Analogie zum Münchener Modell – ein Umschwenken auf offene Software denkbar und bestimmt nicht nur mit Blick auf die Lizenzkosten überlegenswert. Aber: „Nichts genaues weiß man nicht“, denn die Ergebnisse der Münchener Überlegungen müssen nicht 1:1 auf uns anwendbar sein.

Dr. Markus Zahn


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